Mein Ansatz & meine Haltung

Gestalttherapie & Stimme: Wie beides zusammenwirkt | Britta Schuster

Wie Gesangscoaching und Gestalttherapie zusammenklingen

 

Ein Gespräch mit Corinna

 

Corinna: Britta, Gesangscoaching und Gestalttherapie – das klingt erstmal nach zwei völlig unterschiedlichen Welten. Wie passen die zusammen?

Britta: Auf den ersten Blick wirkt es vielleicht wie zwei Sprachen. Und gleichzeitig gehört es für mich sehr natürlich zusammen. Denn Stimme ist nie nur „Technik“, sie ist Ausdruck. Von Stimmung, Persönlichkeit, Erfahrung. Man hört oft, wie jemand gerade innerlich da ist: präsent oder zurückgenommen, frei oder angespannt. Und die Gestaltarbeit hilft, genau diese Verbindung bewusster zu machen: zwischen Körper, innerem Erleben und dem, was sich zeigen will.

Corinna: Heißt das, Singen ist Therapie?

Britta: Nicht automatisch. Mir ist die Unterscheidung wichtig. Gesangscoaching ist kein Ersatz für Psychotherapie. Und trotzdem kann Stimme sehr viel in Bewegung bringen, manchmal auch mehr, als man vorher erwartet. In meiner Arbeit geht es darum, die Stimme als Zugang zu nutzen, um Klarheit zu bekommen: Was passiert gerade in mir? Was hält mich zurück? Was will sich zeigen? Das kann mal kraftvoll sein, mal leise und oft sehr entlastend.

Corinna: Und wie sieht so eine Stunde bei dir aus?

Britta: Das hängt stark von der Person und dem Anliegen ab. Manchmal starten wir mit einer kleinen Atem- oder Körperübung, um anzukommen  oder um überhaupt erst spürbar zu werden. Dann schauen wir gemeinsam: Was braucht deine Stimme gerade?
Manchmal arbeiten wir konkret an einem Song, an Technik oder Ausdruck. Und manchmal merken wir: Da ist gerade etwas im Hintergrund aktiv – Nervosität, innerer Druck, ein sehr strenger Anspruch. Dann wird die Stunde automatisch „mehr“ als nur Gesang. Nicht, weil wir das erzwingen, sondern weil es sich zeigt. Und wir bleiben dann bei dem, was gerade da ist, in einem Tempo, das passt.

Corinna: Du hast vorhin Körper erwähnt. Welche Rolle spielt der?

Britta: Eine große!  Weil Stimme immer verkörperter Ausdruck ist. Haltung, Atem, Spannung, Blickkontakt: das beeinflusst alles. Wenn jemand stockt oder unsicher wird, spiegelt sich das fast immer auch im Körper. Dann kann es sehr hilfreich sein, über Bewegung, Stand, Raum oder Gesten zu arbeiten – nicht als Show, sondern als Unterstützung. Oft entsteht dadurch mehr Freiheit  und auch mehr Präsenz.

Corinna: Also kann man bei dir auch das „Bühnen-Ich“ stärken?

Britta: Ja, absolut. Und zwar nicht nur für Bühne im klassischen Sinne. Viele Menschen wollen im Alltag klarer werden: ihre Stimme besser einsetzen, Grenzen hörbarer machen, sich zeigen, ohne sich zu verlieren.
Und dann ist die innere Kritikerin oft sehr präsent. In der Gestaltarbeit gibt es dafür gute Möglichkeiten, zum Beispiel den „leeren Stuhl“. Das kann sehr wirksam sein, weil es nicht nur

verstanden wird, sondern unmittelbar erfahrbar wird: Wie rede ich innerlich mit mir? Was macht das mit meiner Stimme? Und was wäre eine hilfreichere Haltung?

Corinna: Apropos Kritikerin: Wie gehst du mit Lampenfieber um?

Britta: Lampenfieber gehört dazu!  Und ich sehe es nicht in erster Linie  als Störfaktor. Es ist Energie. Oft ist es sogar ein Zeichen dafür, dass etwas Bedeutung hat. Wir arbeiten daran, diese Energie nicht zu bekämpfen, sondern sie zu regulieren und zu bündeln.
Manchmal hilft ein kurzer innerer Dialog: „Ich sehe dich. Du darfst da sein. Und ich gehe trotzdem weiter.“ Und ganz praktisch: über Atem, Fokus, Körperkontakt, klare Vorbereitung. Nicht als „Trick“, sondern als Stabilisierung.

Corinna: Gibt es eine lustige Anekdote aus deinem Coaching?

Britta: (lacht) Ja, einige. Eine Person hat einmal mitten in einer Übung plötzlich mit der Stimme ein richtiges „Wutgewitter“ imitiert:  das war richtig laut, sehr wild, enorm befreiend. Danach sagte sie ganz trocken: „Ich glaube, deine Nachbarn denken jetzt entweder, die ist völlig durch – oder Opernsängerin.“
Solche Momente liebe ich, weil sie zeigen: Da wird etwas lebendig. Und oft kommt danach

erstaunlich viel Ruhe.

Corinna: Was möchtest du Menschen mitgeben, die sich für deine Arbeit interessieren?

Britta: Dass Stimme mehr ist als „richtig oder falsch“. Sie ist ein Teil von dir. Und sie darf wachsen: in Technik, in Ausdruck, in Selbstvertrauen.
Wenn wir damit arbeiten, geht es nicht nur darum, besser zu singen oder sicherer zu sprechen. Es geht auch darum, dich selbst klarer zu spüren. Und sehr oft entsteht daraus etwas, das weit über Stimme hinaus wirkt: mehr Präsenz, mehr Selbstkontakt, mehr Freiheit im Ausdruck.

Corinna: Britta, danke dir für das inspirierende Gespräch!

Britta: Sehr gerne. Und vielleicht ist das ein guter Schlusssatz: Deine Stimme muss nicht perfekt sein – sie darf vor allem echt sein.

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