Die Grundlage meiner Arbeit ist Gestalttherapie. Sie arbeitet nicht nur mit dem, was du erzählst, sondern auch mit dem, wie du es im Moment erlebst. Es geht um das Hier und Jetzt: Was passiert gerade in dir – im Körper, in deinen Gefühlen, in deinem Kontakt zur Welt?
Stimme passt dazu, weil sie dieses Erleben oft unmittelbar hörbar macht. Manchmal zeigt sich im Klang bereits Spannung, Zurückhaltung, Sehnsucht, Schutz oder Klarheit – noch bevor du es vollständig erklären kannst. Das kann sehr hilfreich sein, weil wir dann nicht nur über etwas sprechen, sondern gemeinsam wahrnehmen können, was im Moment wirklich da ist.
In meiner Arbeit nutzen wir Stimme nicht als „Methode zum Reparieren“. Wir nutzen sie als Wahrnehmungsweg. Wir beobachten gemeinsam: Wird es enger oder weiter? Wird es ruhiger oder unruhiger? Fühlt es sich stimmig an – oder eher fremd? Und genauso wichtig: Stimme darf auch wieder zurücktreten. Auch das ist Teil von Kontakt.
Gerade wenn Menschen Trauma-Folgen, Angst oder starke innere Anspannung mitbringen, arbeite ich sehr klar nach dem Prinzip: Stabilisierung vor Tiefe. Veränderung entsteht nicht aus Überwältigung, sondern aus kleinen, gut integrierbaren Schritten.
Das bedeutet konkret: Stimme wird eingeladen, nicht eingefordert. Experimente bleiben klein, reversibel und jederzeit stoppbar. Du kannst jederzeit sagen: „Stopp“, „zu viel“, „lieber ohne Stimme“. Und wir gehen nur so weit, wie es für dein System wirklich machbar und sicher ist.
Stimme wird bei mir außerdem nur selten für starkes „Ausagieren“ genutzt. Schreien oder kathartische Prozesse stehen nicht im Vordergrund. In den meisten Fällen geht es um etwas anderes: Regulation, Selbstkontakt, Klarheit – und darum, dich selbst wieder besser zu spüren.
Manchmal zeigt Stimme sehr früh, dass etwas innerlich in Bewegung kommt: Der Ton wird leiser, der Atem enger, es kommt Humor dazwischen, oder alles wird sehr angepasst und „brav“. Das ist nicht falsch. Häufig sind das sinnvolle Schutzstrategien, die einmal geholfen haben.
In der Therapie geht es nicht darum, solche Muster wegzumachen. Es geht darum, sie zu bemerken, zu verstehen und neue Möglichkeiten zu finden – ohne Druck und ohne Beschämung. Und vor allem: Wir gehen nicht über deine Grenze. Wenn es zu viel wird, machen wir kleiner, langsamer oder wechseln zurück ins Gespräch.
Stimme ist in meiner Arbeit ein möglicher Baustein – aber nicht der Hauptteil der Stunde. In einer typischen Sitzung hat Stimme maximal ca. 30% bewusst eingesetzten Anteil. Der größere Teil besteht aus Gespräch, Klärung, Orientierung und gestaltherapeutischer Prozessarbeit.
1) Ankommen & Orientierung (ca. 10–15 Minuten)
Wir starten damit, dass du ankommst: Was ist gerade da? Was ist heute wichtig? Was brauchst du, damit es sicher und gut machbar bleibt?
2) Gemeinsames Sortieren im Gespräch (ca. 20–30 Minuten)
Wir klären Zusammenhänge, Muster und aktuelle Belastungen – und bleiben dabei im Kontakt mit dem, was du im Moment spürst: im Körper, in deinen Reaktionen, im Hier und Jetzt.
3) Stimme als kurzer, gezielter Zugang (ca. 10–15 Minuten)
Wenn es passt, nutzen wir Stimme – zum Beispiel über Summen, Tönen, eine kleine Klangsequenz oder das Aussprechen eines Satzes mit neuer Klarheit. Es geht nicht um „schön“ oder „richtig“, sondern darum, dich selbst besser zu spüren und dein System zu unterstützen.
4) Integration & Abschluss (ca. 5–10 Minuten)
Wir schließen ruhig ab: Was nimmst du mit? Was war hilfreich? Was brauchst du jetzt für deinen Alltag, damit es nachklingen darf – ohne dich zu überrollen?
Stimme kann sehr nah sein. Deshalb bleibt sie im Hintergrund, wenn dein System gerade deutlich überfordert ist, wenn die Basis der Stabilisierung noch nicht ausreichend vorhanden ist oder wenn Stimme (noch) stark mit Scham oder belastenden Erinnerungen verknüpft ist. Auch dann arbeiten wir weiter – einfach über andere Wege, die stimmiger sind.
Das Ziel ist nicht „Stimme um jeden Preis“, sondern ein Prozess, der dich stärkt.
Meine stimmbezogene Arbeit ist eingebettet in psychotherapeutisches Denken und körperorientierte Erfahrung. In der Fachwelt wird Stimme u. a. als Weg beschrieben, über den emotionale und körperliche Prozesse spürbar werden – besonders dort, wo Sprache (noch) nicht reicht.
Gleichzeitig gilt eine zentrale Leitlinie, die auch traumaorientierte Ansätze betonen: Sicherheit vor Intensität. Veränderung entsteht eher durch kleine, gut integrierbare Schritte als durch Überforderung.
Wenn du möchtest, nenne ich dir gern die Fachautor:innen, die mich dabei geprägt haben (z. B. aus Musiktherapie, Trauma- und Nervensystemarbeit) – entscheidend ist aber vor allem: Wir arbeiten so, dass es für dich sicher und stimmig bleibt.
Nein. Es geht nicht um Leistung oder „schöne Töne“. Es geht um Wahrnehmung, Regulation und Kontakt.
In diesem Kontext ist Stimme ein therapeutischer Zugang innerhalb meiner psychotherapeutischen Arbeit – nicht Performance- oder Techniktraining.
Emotionen können auftauchen. Ich arbeite aber nicht auf Intensität hin. Stimme wird dosiert eingesetzt und bleibt jederzeit stoppbar.
Ja. Gerade dann kann sie ein sanfter Zugang sein, weil sie manchmal näher am Erleben ist als Worte.
Ja. Auch online kann stimmbezogene Arbeit sehr sicher und hilfreich sein, wenn der Rahmen stimmt.